Heimatkalender Juni 2010

Die Molkerei in Brietlingen

Seit 1919/1920 gab es in Brietlingen erstmals einen Betrieb, der Milch aufkaufte und verarbeitete. Um 1922 verlegte Otto Meyer die Molkerei von der kleinen Straße an die Bundesstraße. Hieraus entwickelte sich aus kleinen Anfängen nach und nach eine bedeutende Molkerei. Deren Einzugsgebiet zum Ankauf von Milch bestand aus den Dörfern Wittorf, St. Dionys, Horburg, Barum, Artlenburg, Lüdershausen und nach der Schließung der Molkerei in Boltersen im Jahre 1929 auch Boltersen und Rullstorf. Das Milchaufkommen steigerte sich von anfänglich 500 Liter täglich auf 18.000 bis 20.000 Liter täglich im Jahre 1967. Die angelieferte Milch wurde in Brietlingen zu Butter, Quark, Sahne, Joghurt und Käse verarbeitet.

Größere Mengen von Milch wurden auch ohne weitere Verarbeitung direkt nach Hamburg weitergeleitet. Der Transport dorthin wurde von der Spedition A. Stahmer aus Wittorf ausgeführt. Die Milchanfuhr aus den Dörfern wurde durch hierzu beauftragte Dorfbewohner per Pferdefuhrwerke und später mit von Traktoren gezogenen Fuhrwerken bewältigt. Die Erzeuger stellten die Frischmilch meistens in 20 Liter Kannen morgens vor ihre Hofeinfahrten oder an zentralen Plätzen auf sogenannten Milchbänken ab. Diese Milchbänke entwickelten sich oft zu Treffpunkten der Dorfbevölkerung und dienten dem Austausch von Neuigkeiten.

Die Brietlinger Molkerei von Otto Meyer wurde am 01. August 1968 geschlossen, da die Molkerei nicht mehr genug Lieferverträge bekommen konnte. Denn, als 1969 die einheitlichen Milcherzeuger-Einzugsgebiete aufgehoben wurden, entschieden sich die Erzeuger in unserer Gegend, wegen der besseren Bezahlung, zu Gunsten der Molkereien in Echem oder in Lüneburg.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Brietlingen noch zahlreiche Kühe auf den Höfen und bei den Nebenerwerbsstellen. Es hielten damals noch 12 Landwirte 8 - 12 Kühe, 13 Landwirte 4 - 7 Kühe und 51 Haushalte 1 - 3 Kühe, weiterhin gab es fünf Milchziegenhalter in Bretlingen.

Heute hat sich ide Zahl der milcherzeugenden Betriebe in Brietlingen und Lüdershausen auf nur noch jeweils einen reduziert.

Neben der Molkerei betrieb Otto Meyer zeitweise auch eine Gastwirtschaft ("Im Krug zum grünen Kranze") und eine Tankstelle.

Im Molkereigebäude fand zunächst ein Fischgeschäft seinen Platz. Später wurden hier mehrere Wohnungen ausgebaut. Heute befindet sich an dieser Stelle das Landhotel Franck.

Abbildungen: Gustav Detje, Brietlingen

Text: Wilhelm E. Hoop, Brietlingen

Molkerei und Gasthaus in Brietlingen

Gasthaus 'Im Krug zum grünen Kranze'
Das Gasthaus "Im Krug zum grünen Kranze"
und die alte Molkerei an der Bundesstraße
Moklereigebäude und Gasthaus 1960
Molkereigebäude und Gasthaus im Jahre 1960;
im Vordergrund mit Milchkannen beladene Fahrzeuge

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Heimatkalender Juni 2010, 1. Blatt
Heimatkalender Juni 2010, 2. Blatt