Heimatkalender August 2009

Die Eisenbahn in Rullstorf

Die Kleinbahn von Bleckede nach Lüneburg wurde am 25. August 1904 eröffnet. Die Bahnstrecke wurde vom Kreis Bleckede gebaut und betrieben. Die Spurbreite der Schmalspurbahn betrug 0,750 m. Im Ersten Weltkriege errichtete die Kaiserliche Marine bei Bleckede ein Großtanklager für Öl. Das Militär gab den Ausschlag zum Ausbau der Strecke von Lüneburg nach Bleckede in Normalspur (1,435 m). Ab 1916 wurde die Planung für die Baumaßnahmen ausgeführt und im nächsten Jahr konnten die Pläne dann zur Ausführung freigeben werden. Danach begannen die Umbauarbeiten, welche im Jahre 1919 abgeschlossen wurden. Das Schmalspurgleis war ohne große Erdbewegungen in die Landschaft gelegt worden. Bei der Umspurung auf die Normalspur wurde die Trasse umfangreich verändert. Die Höhenlage des Gleises wurde z. B. im Bereich der Gemarkung Scharnebeck durch die Erhöhung von Dämmen (Teichholz) und der Schaffung von Einschnitten verändert. Der Radius des Geises wurde in der Einfahrt zum Bahnhof durch die Verlegung der Trasse vergrößert. Ursprünglich lag das Gleis auf dem heutigen Weg "An der Bahn". Am 01. Januar 1922 übernahm das Kleinbahnamt der Provinz Hannover die Betriebführung des Streckennetzes der "Bleckeder Kleinbahn GmbH". Anteilseigentümer an der GmbH waren die Landkreise Bleckede und Lüneburg, die Provinz Hannover und der Staat Preußen. Am 10. Juli 1944 wurde in Celle die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) gegründet. Neben anderen Bahnen kam auch die "Bleckeder Kleinbahn" zur neuen Gesellschaft. Am 22. Mai 1977 wurde der planmäßige Zugverkehr der OHE auf der Strecke Lüneburg - Bleckede eingestellt. Heute fahren noch gelegentlich kurze Güterzüge und wenige Museumszüge mit Reisenden auf der Strecke.

In Rullstorf wurde 1904 ein Bahnhof mit einem Überholungsgleis, welches auch als Ladegleis für den Güterverkehr diente, gebaut. Das Bahnhofsgebäude lag unmittelbar am Bahnsteig für die Personenzüge. Das Gebäude hatte die Ausmaße von 10 m x 4,5 m. Im Ostteil befand sich ein offener Warteraum mit Sitzbänken für die Reisenden. In der Mitte des Gebäudes führte eine Tür vom Bahnsteig in einen beheizbaren Dienstraum mit Telefon. Von diesem Raum konnte man auf einer Treppe in den höher gelegenen Lagerraum für Gepäck und Stückgut gehen. Im Westen war eine große Schiebetür eingebaut, die nach draußen auf eine Laderampe führte. Vor dem letzten Krieg arbeitete der Gastwirt Heinrich Müller als Agent für die "Bleckeder Kleinbahn" in Rullstorf. Jeweils eine halbe Stunde vor der Ankunft der Züge verkaufte er Fahrkarten und Getränke an die Reisenden. Des weitern war er für das Gepäck und die Güterabfertigung zuständig. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet sein Sohn, der Gastwirt Heinirch Müller, als Agent für die OHE; er war vor Ort nur noch für die Abwicklung des Güterverkehrs (Wagonladungen, Stücksendung) zuständig. Was heute die Speditionen mit ihren Lastwagen in die Hauhalte, Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe bringen, brachte damals die Eisenbahn zum Bahnhof. Die Empfänger holten sich die Waren dort ab oder die Versender brachten diese dort hin. In Wagons wurden z. B. Kunstdünger, Kohlen, Maschinen und Saatgut geliefert, versendet wurden Kartoffeln, Getreide und Holz etc. Morgens wurden die Wagons von einem Güterzug gebracht und abends oder nachts wieder in einen Güterzug eingestellt und "über Lüneburg in alle Welt" weitergeleitet.

Noch im Zweiten Weltkrieg begannen die Hamburgischen Elektrizitätswerke in Alt Garge ein Großkraftwerk zu bauen (Inbetriebnahme Juli 1946). Deshalb wurde noch zur Kriegzeit von der Bahn in Rullstorf mit dem Bau eines längeren Überholungsgleises begonnen, damit die langen Güterzüge für den Ölhof in Bleckede und das Kaftwerk in Alt Garge zukünftig von anderen Zügen überholt werden konnten. Das Gelände für diese Erweiterung der Bahnanlagen wurde den Eigentümern abgenommen und Bautrupps begannen mit einer Lorenbahn benötigte Erdmassen aufzufüllen. Die Einfahrtsweiche sollte ca. 50 m westlich vor dem heutigen Bahnübergang mit der Blicklichtanlage liegen und die Ausfahrtweiche beim heutigen Überweg vom Hof Röhr gebaut werden. Noch vor dem Ende des Krieges wurde der Bau gestoppt. Einige dieser Bauarbeiten waren noch bis zum Jahr 1953 zu sehen, erst dann bekamen die ehemaligen Grundeigentümer ihre abgegeben Flächen zur eigenen Nutzung zurück.

Abbildungen und Text:

Christian Krohn, Rullstorf

Eisenbahn in Rullstorf

Ehemaliges Bahnhofsgebäude
Ehemaliges Bahnhofsgebäude
(Abriß Anfang der 60er Jahre)
Fahrgäste auf dem Bahnsteig
Fahrgäste auf dem Bahnsteig um 1940
Güterzug der OHE
Güterzug der OHE am Bahnübergang mit Blinklichtanlage 2007

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Heimatkalender August 2009, 1. Blatt
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