Heimatkalender Juni 2000

"Die BATAVIA" Reise, Untergang und Bergung der Wrackreste

Das Flaggschiff der Ostindischen Companie (VOC), die in sechs Monaten für 120.000 Gulden neuerbaute BATAVIA, das schnellste Schiff der Flotte, verläßt im Verband mit zwei Schiffen am 28. Oktober 1628 auf der Jungfernfahrt den Hafen von Amsterdam. Man will in sechs Monaten die 18.000 Seemeilen entfernte Insel Java erreichen. Der Kommandeur des Verbandes ist Francisco Pelsaert, sein Kapitän Ariaen Jacobsz, ein erfahrener Seemann. Es sind 341 Personen an Bord. Außer 35 zivilen Passagieren sind Offiziere, Kadetten, Mannschaften und 104 Seesoldaten auf dem Schiff. Es hat kostbare Güter geladen: 12 Truhen mit Silbertalern im Wert von 250.000 Gulden, Stoffe, Juwelen, Keramik, Porzellan, insgesamt 600 Tonnen. Die BATAVIA hat folgende Maße: Länge 56 m, Breite 10,5 m, Tiefgang 5,1 m, Masthöhe 55 m und eine Segelfläche von 1.200 qm. Die Reisegeschwindigkeit beträgt ca. 6 Knoten.

Der Konvoi erreicht am 14. April 1629 das Kap der Guten Hoffnung und segelt nach Proviantaufnahme weiter in Richtung Australien. Am 4. Juni 1629, man wähnt sich noch 140 Meilen vor der Küste, gerät das Schiff bei guter Sicht und Mondschein auf Grund. Die Schiffbrüchigen retten sich auf eine Insel. Es gelingt ihnen, Fässer mit Lebensmitteln zu bergen, Trinkwasser fehlt jedoch. Der Kommandant mit Kapitän und Seeleuten verläßt mit einer Schaluppe den Unglücksort, um nach Wasser zu suchen. Wegen einsetzenden Regens, die Überlebenden sind zunächst gerettet, segeln sie weiter nach Java, um Hilfe zu holen. Nach 900 Seemeilen erreichen sie am 28. Juni 1629 die Insel. Mit dem Rettungsschiff, der SARDAM, treffen nach zwei Monaten die Helfer am Unglücksort ein.

In der Zwischenzeit errichtet der Unterkaufmann Jeronimus Cornelisz, gemeinsam mit einigen Spießgesellen, eine Schreckensherrschaft. Er und seine Leute kleiden sich in kostbare Gewänder, er läßt sich zum König ausrufen, regiert mit Mord und Terror. Wer nicht gehorcht muß sterben. Eine Gruppe von 47 Schiffbrüchigen, darunter einige Soldaten, retten sich auf eine Nachbarinsel und wehren alle Angriffe Cornelisz ab. Sein Plan, das Rettungschiff zu karpern und ein Piratendasein zu führen, mißlingt. Die Missetäter werden von den Rettern überwältigt und nach Aburteilung an Ort und Stelle aufgehängt. Nach Bergung wertvoller Güter aus dem Wrack, dazu zählen zehn der zwölf Münztruhen, kehrt das Rettungsschiff nach Java zurück. Eine der Truhen hat sich verklemmt und muß mit dem wertvollen Inhalt zurückgelassen werden. Von den ursprünglich 341 Menschen der BATAVIA erreichen am Ende 68 lebend ihr Reiseziel Java, wo nach Jahren die letzten Untersuchungen und Verurteilungen der Schuldigen des Unglücks und der Verbrechen abgeschlossen werden.

Die Westküste Australiens ist ein gewaltiger Schiffsfriedhof; man sagt, mit mehr als 800 Wracks. Das älteste und wegen seiner makabren Historie wohl interessanteste Wrack war die BATAVIA. Es gelang schließlich, fast zufällig, dem Bauunternehmer und Schatzsucher Max Cramer am 4. Juni 1963 die Überreste des Wracks in nur 15 m Tiefe zu finden. Damit begann das Abenteuer der Bergung, das Taucher, viele Dienststellen und Behörden in Australien und Holland über Jahrzehnte beschäftigte.

Es wurde zwar keine Schatzkiste mehr gefunden, doch es gelang, ca. 9.000 Silberstücke aus allen Teilen der damaligen europäischen Währungsgebiete zu bergen. Münzen aus Österreich, Bayern, Norddeutschland, deutschen Reichsstädten, Holland, Spanien und England; es waren Gulden, Realis, Schillinge und auch Taler aus dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg dabei, von den Prägestellen Harburg und Scharnebeck. Der von dem Münzmeister Bartold Bartels 1625 in Scharnebeck geprägte Taler zeigt auf der Vorderseite das Bildnis des Münzherren Julius Ernst, Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Er gelangte über eine Auktion von Amsteram in meine Sammlung Dannenberg-Scharnebecker Silbermünzen.

Bilder und Text: Günther Bockelmann, Hamburg

Scharnebecker Taler mit der "Batavia" untergegangen

Scharnebecker Taler, Vor- und Rückansicht
Zeichnung der Batavia
Die "Batavia"

Der Taler (Abbildungsmaßstab 1 : 1,75 [im Orginal-Heimatkalender]) wurde in Scharnebeck im Jahre 1625 geprägt und ging im Jahre 1629 mit dem Schiff "Batavia" der OstsindischenCompanie vor Australien unter. Im Jahre 1963 wurde der Taler aus dem Schiffswrack geborgen (ausführliche Beschreibung des Talers siehe Heimatkalender 1993).

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Heimatkalender Juni 2000, 1. Blatt
Heimatkalender Juni 2000, 2. Blatt