Tag des offenen Denkmals 2014

Barockorgel Scharnebeck

Scharnebeck war bis zur Reformation ein bedeutendes Zisterzienserkloster. Nach 1603 wurde in der Kirche mit Ausmaßen des Verdener Domes eine erste Orgel aufgestellt, von der nichts weiter überliefert ist, als dass Michael Praetorius der zuständige Orgelsachverständige war. Durch den Verfall der alten Kirche während des 30-jährigen Krieges ging auch die Orgel verloren.

Nach dem Wiederaufbau aus den Ruinen wurde in der jetzt stark verkleinerten Kirche 1754 ein neues Instrument aufgestellt, von dem nur die Anzahl von 11 Registern im Hauptwerk plus 5 im Pedal sowie ein Zimbelstern belegt sind.

Der Stader Orgelbauer Carl Johann Heinrich Röver errichtete hinter dem um zwei Flachfelder verbreiterten Gehäuse 1895 ein völlig neues, romantisches Klangwerk mit pneumatischer Traktur. Die Mechanik des Zimbelsterns war komplett abgängig, nur die sichtbare Sonne integrierte Röver feststehend in den Prospektumbau.

Im Laufe der nächsten hundert Jahre erfolgten mehrere dem jeweiligen Zeitgeschmack geschuldete Anpassungen, so 1939 durch Gustav Steinmann, Vlotho. 1954 "barockisierte" Emil Hammer, Hannover, die romantische Orgel unter Beibehaltung der pneumatischen Spielanlage.

Nach Abgang des irreparablen Röver-Instruments stellte Martin Hillebrand, Altwarmbüchen, 1995 eine komplett neue Barockorgel hinter den in den Urzustand von 1754 versetzten Prospekt. Für das Brustwerk und die wieder rein mechanische Spiel- und Registrieranlage wurde ein neues Untergehäuse konstruiert, das Pedalwerk erhielt ein eigenes Gehäuse hinter dem Hauptwerk.

Durch Verwendung in alter Tradition gefertigter Materialien, überlieferter Mensuren und entsprechend historischer Bauweise ist hier ein kompromissloses Instrument mit 17 Registern nach Vorbild norddeutscher Barockorgeln entstanden. Disposition, Klangbild und nicht zuletzt die wohltemperierte Bachstimmung ermöglichen auf der Scharnebecker Orgel eine authentische Interpretation Alter Musik.

[Jens Scharnhop]